Fischereifachtagung

Die diesjährige Fischereifachtagung, veranstaltet vom Institut für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde (BAW-IGF) fand am Donnerstag, dem 23. und Freitag, dem 24. November im Veranstaltungssaal des Schlosses Mondsee statt.

Der Institutsleiter des BAW-IGF und Direktor des Bundesamtes Johann Doppelbauer eröffnete die Tagung ganz traditionell mit netten Begrüßungsworten und einem Bericht über die Tätigkeiten der mittlerweile vier Abteilungen des Instituts: Gewässerökologie, Seenkunde, Fischereibiologie und die ökologische Station im Waldviertel.

Themen im Bereich der Aquakultur bildeten wie gewohnt den Schwerpunkt des ersten Nachmittages. Der erste Vortrag von Franz Lahnsteiner, Abteilungsleiter Fischereibiologie des BAW-IGF, handelte von der Triploidisierung von Zuchtfischen. Dabei geht es um die Vervielfachung des Chromosomensatzes von diploid zu triploid (zweifach zu dreifach). Der Vorteil der Triploidisierung liegt darin, dass die so behandelten Fische nicht geschlechtsreif werden und somit ihre gesamte Energie in Wachstum der Muskulatur investieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass eventuell aus der Aquakultur entkommene Fische im Freigewässer nicht reproduzieren können und somit nicht zu einer Gefahr für heimische Fischarten werden.

Mit Robert Arlinghaus konnte in diesem Jahr ein namhafter Kenner der deutschen Angelfischerei als Vortagender gewonnen werden. Seine Erkenntnisse zum Thema Fischbesatz in der deutschen Angelfischerei können natürlich genauso auf Österreich angewendet werden. Herr Arlinghaus legte auf humorvolle und interessante Art dar, wann und wie Besatz sinnvoll erfolgen kann und wann der Besatz zum Scheitern verurteilt ist. Für Interessenten gibt es die Möglichkeit, die Publikationen des Leibnitz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin, welche für Praktiker von höchstem Wert sind, gegen einen frankierten Rückumschlag anzufordern.
Weitere Informationen: www.igb-berlin.de oder telefonisch unter+49 030 647 815.
http://besatz-fisch.de/images/stories/141114_besatzfisch_broschuere.pdf

Ein zukunftsträchtiges Gebiet präsentierte Simon Weinberger von der Firma Ecofly. Er erzählte von Insektenmehlen in der Fischzucht und deren Herstellung und Eignung als Futtermittel. Seine Firma züchtet die Schwarze Soldatenfliege, die Larven werden lebend verfüttert oder zu Insektenmehl verarbeitet. Die eiweißreichen Insekten können in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Ernährung von Fischen in der Aquakultur liefern.
http://greenstart.at/business-ideen-greenstart-3/ecofly-das-nachhaltige-fischfutter/

Über Teilkreislaufanlagen in der Aquakultur berichtete uns Christopher Naas vom Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow (IfB). Er legte uns auf sehr anschauliche Weise die Funktionsweise und die wichtigsten Module einer Kreislaufanlage dar.

Aktuelles zur europäischen Fischereipolitik hörten wir von Veronika Veits. Frau Veits arbeitet für die Europäische Kommission in der Generaldirektion für maritime Angelegenheiten und Fischerei. Es war sehr interessant zu erfahren, welchen wichtigen Beitrag ein Binnenland wie Österreich zur Fischerei und zum Allgemeinwohl in der maritimen Fischerei leistet. Für die Fischzüchter unter uns war der Aspekt der Förderpolitik der EU unter dem Stichwort Fischereifond EMFF 2014-2020 von höchstem Interesse, eine rege Diskussion entbrannte, besonders im Zusammenhang mit dem Fortbestand nach 2020.

Beendet wurde dieser außerordentlich gut besuchte Tag mit den Statusberichten über die Fischereiwirtschaft in Österreich. Thomas Kainz (Karpfenteichwirtschaft), Johann Kölbl (Forellenzucht), Nikolaus Höplinger (Seenfischerei), Willibald Hafellner (Karpfenteichwirtschaft) und Helfried Reimoser (Teichwirte- und Fischzüchterverband Steiermark) brachten die Besucher wieder auf den laufenden Stand bezüglich der Probleme der Österreichischen Fischereiwirtschaft.

Am Freitag Vormittag standen Themen im Bereich der Fischökologie im Mittelpunkt. Moderiert wurde dieser Teil von Reinhard Haunschmid, Abteilungsleiter Gewässerökologie des BAW-IGF, auf seine humorvolle und fachlich kompetente Art.

Den Auftakt machte Markus Kühlmann vom Ruhrverband, er berichtete über die Entwicklung und die Planung eines Fischliftsystems am Ruhr-Wehr Baldeney. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt zur Herstellung der Fischdurchgängigkeit, welches auch von der öffentlichen Hand in Nordrhein-Westfalen vorbildlich unterstützt wird. Mit höchster Professionalität wurde untersucht, wie die Durchgängigkeit herstellbar ist, Varianten durchgedacht und auch die Situation unter Wasser im Bereich des geplanten Einstieges mit verschiedensten High-Tech Untersuchungen auf Eignung geprüft, wie z.B. mit einem bildgebenden Echolot (DIDSON).
Als Lösung wurde letztendlich ein zweifacher Fischlift gewählt, dessen Baubeginn 2018 ist. Es wäre sehr wünschenswert, wenn dieses Vorzeigeprojekt Nachahmer findet!

Ein weiteres heißes Eisen für Fischökologen wie auch für Fischereisachverständige wurde von Gregor Schamschula vom Ökobüro in Wien bearbeitet: Das „Weser Urteil“ in der Praxis. Bei diesem Thema geht es um die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, besonders dem Verschlechterungsverbot für Wasserkörper in Zusammenhang mit Baumaßnahmen wie Wasserkraftwerken. Das „Weser Urteil“ ist ein EuGH Entscheid, es wurde darin die Frage beantwortet, wann von einer Verschlechterung der Gewässerqualität  auszugehen ist. Wie diese Entscheidung zu interpretieren ist und wie sie sich auf kommende Verfahren auswirken könnte, wurde von Schamschula analysiert.
http://www.oekobuero.at/eugh-staerkt-europaeischen-gewaesserschutz

Andreas Zitek von der Universität für Bodenkultur Wien hielt einen sehr spannenden Vortrag mit dem Titel „Chemische Fingerabdrücke und Nachverfolgbarkeit von Fischen und Fischprodukten in Ökologie und Lebensmittelkontrolle“. Der chemische Fingerabdruck entsteht durch typische regionale chemische Muster. Fische nehmen entsprechend ihrer Aufenthaltes aus ihrer Umwelt Substanzen auf, anhand derer ihre Herkunft oder ihre Wanderungen in Gewässersystemen nachvollzogen werden können. Mit dieser Methodik kann aber nicht nur die Herkunft von Fischen, sondern auch die von Fischprodukten bestimmt werden, was bei Kaviar oder Fischfilets von besonderer Bedeutung ist.

Den abschließenden Teil der Tagung bildete der Themenschwerpunkt UmweltDNA (eDNA) und deren Bedeutung für Fischbestandserhebungen inklusive neuer Erkenntnissen aus der Praxis. Michael Traugott von der Universität Innsbruck hielt eine Einführung zu diesem hochaktuellen Thema. Bettina Thalinger (Universität Innsbruck) berichtete von Neuerungen auf dem Sektor eDNA und Erkenntnissen von Forschungsprojekten in Tirol und am Mondsee.

Zu einer Programmänderung kam es durch eine Absage. Vinzenz Bammer aus der Abteilung Gewässerökologie des BAW-IGF präsentierte Ergebnisse von Didier Pont, Michael Schabuss und Horst Zornig. Bei diesem Projekt ging es um den Vergleich von aktuellen Forschungsergebnissen auf dem Gebiet der eDNA im Vergleich zu traditionellen Erhebungsmethoden anhand von parallelen Untersuchungen an der Donau bei Hainburg.
Herzlichen Dank den Autoren für das spontane zur Verfügung stellen der Daten und Vinzenz Bammer für den fachkundigen Vortrag.

Mit den Schlussworten von Peter Mayrhofer, Präsident des Fischereiverbandes Vorarlberg, ging die erfolgreiche Veranstaltung zu Ende.

Besonderer Dank gebührt auch dieses Jahr wieder unseren Kollegen vom ASV Steiermark, Markus Griesangerl, Chefredakteur der Verbandszeitschrift „Der Angelhaken“ und seinen Kollegen. Von diesem umtriebigen Team wurden auch heuer wieder Live-Berichte auf der Facebookseite und der Homepage von „Der Angelhaken“ geschalten.
http://www.derangelhaken.at/

Für das leibliche Wohl während der Fachtagung war wieder die Firma Kiesberger in Mondsee verantwortlich. Das gemeinsame Abendessen fand sehr guten Anklang, in gemütlicher Atmosphäre wurden Erfahrungen ausgetauscht, Kontakte gepflegt und gefachsimpelt.

Das Team des BAW-IGF wünscht einen schönen Jahresausklang und freut sich auf ein Wiedersehen 2018!

Veröffentlicht am 10.01.2018