Wiederansiedelung von Elritzen im Traunsee, Fuschlsee und Erlaufsee

Im Zuge der Untersuchungen und fischökologischen Zustandsbewertungen der österreichischen Seen zeigten sich in einigen Seen Defizite in der Fischartengemeinschaft.

Dies äußerte sich in einer mäßigen Zustandsbewertung gemäß Wasserrahmenrichtlinie und führte, daraus abgeleitet, zu einem Handlungsbedarf. Oftmals betrafen diese Defizite die Kleinfischarten und von dieser Gruppe besonders die Elritze (Phoxinus phoxinus). Es zeigte sich, dass die Elritzenbestände in vielen österreichischen Seen innerhalb der letzten 50 Jahre massiv zurückgegangen und oftmals völlig verschwunden sind. So konnten im Zuge der EU-WRRL-Fischbestandserhebungen in 38 Prozent der bisher untersuchten österreichischen Seen (Seesaiblingsseen und Elritzenseen) die dort ursprünglich vorhandenen Elritzen nicht mehr nachgewiesen werden. Oftmals verlief dieser Bestandseinbruch und Verlust relativ unbemerkt, da Kleinfischarten wie die Elritze fischereiwirtschaftlich und angelfischerlich einen geringen Stellenwert haben. Aus ökologischer Sicht sind sie jedoch für ein Gewässer sehr wertvoll und darüber hinaus Leitfischart für den Seentyp „Elritzensee“.

Der Rückgang der Elritzenbestände lässt sich schlecht auf eine einzige Ursache zurückführen und dürfte auch unterschiedliche Ursachen an den jeweiligen See haben. Nach derzeitigem Wissensstand könnte eine Kombination aus gestiegener Wassertemperatur und zusätzlich eingebrachten Raubfischen dem Elritzenbestand massiv zugesetzt haben. Weitere negative Auswirkungen auf die Elritzenbestände konnten im vermehrten Badebetrieb, im massiven Fang von Elritzen als Köderfische (mittlerweile verboten) oder in Nachwirkungen der Eutrophierungsphase in den 1970/80er Jahre zu finden sein. Für Traunsee, Fuschlsee und Erlaufsee ist das Vorkommen der Elritze historisch gut dokumentiert und bis in die 1970er Jahre wurden auch noch Vorkommen von Elritzen seitens der fischereilichen Bewirtschafter dieser Seen erwähnt. Bei den WRRL-Befischungen von Traunsee (2012) Fuschlsee (2008) und Erlaufsee (2013) gelang jedoch trotz beträchtlichem Untersuchungsaufwand mit unterschiedlichen Befischungsmethoden kein Nachweis mehr und diese Fischart gilt dort nunmehr als verschollen.

Ziel unserer Studie ist die Wiederansiedelung von Elritzen im Traunsee, Fuschlsee und Erlaufsee. Dafür werden (1) geeignete Habitate für Elritzen erhoben, (2) in der Fischzuchtanstalt Kreuzstein ein Mutterfischbestand aus dem jeweiligen Einzugsgebiet aufgebaut, (3) Elritzen nachgezüchtet, (4) diese an den geeigneten Stellen über 5 Jahre jährlich besetzt und (5) am Ende eine Erfolgskontrolle durchgeführt.

Für den Fuschlsee und Traunsee stammen die Mutterfische aus dem Hallstätter See und Vorderen Langbathsee. Die Mutterfische für den Erlaufsee entstammen dem Hubertussee bei Mariazell. Die Adaptierung der Wildfische an die Fischzuchtbedingungen gelang sehr gut, sie werden in Rundbecken gehalten und mit einer speziellen Futtermischung gefüttert. Nach dem Ablaichen im Mai/Juni werden die Eier erbrütet und daraus die benötigte Menge an Besatzfischen, am Traunsee 20.00 Stück, am Fuschlsee 10.000 Stück und am Erlaufsee 5.000 Stück aufgezogen. An den ausgewählten Besatzstellen wurden Temperaturlogger in einer Wassertiefe zwischen 40 cm und 60 cm montiert. Diese messen nun stündlich die Temperatur im Besatzbereich. Mittlerweile wurden an allen Seen erste Besatzmaßnahmen durchgeführt.

Veröffentlicht am 16.11.2017, IGF - Institut für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde