Sanierung des Salzachunterlaufs, Grenzstrecke Bayern - Österreich (2006)

Die Grenzstrecke der Salzach zwischen der Saalachmündung und dem Inn tieft sich massiv ein (bis zu 4 Meter in den letzten 100 Jahren). Unter der nur mehr dünnen Kiessohle befinden sich feinkörnigere Schichten, die vom Fluss leicht und rasch abtransportiert werden können (siehe Bild Kiessohle mit feinkörnigem Untergrund). Es besteht die Gefahr des Sohldurchschlags (rasante Eintiefung des Flusses mit erheblichen Schäden an Bauwerken und Infrastruktur).

Derartige Katastrophen können auch Menschenleben gefährden (siehe Bild Sohldurchschlag). Durch die Eintiefung sinkt der Grundwasserstand. Die ökologisch wertvollen Auen des NATURA 2000 Gebietes werden zunehmend vom Fluss abgetrennt. Um Lösungen für die anstehenden Probleme zu finden wurde die Wasserwirtschaftliche Rahmenuntersuchung Salzach durchgeführt. Hauptziel der Planung war es die fortschreitende Eintiefung der Salzach zumindest zu stoppen bzw. soweit möglich in einen kontrollierten Sohlhebungsprozess überzuführen. Damit sollten Lösungen entwickelt werden, die die bestehende Sohldurchschlagsgefahr zuverlässig beseitigen. Bei den Planungen ging es auch um die flussauf anschließenden Fließstrecken der Saalach und der Salzach, die über rückschreitende Erosion ebenfalls gefährdet sind. Ökologische Schwerpunkt der Planung war die Wiederherstellung beziehungsweise Verbesserung der Vernetzung zwischen dem Fluss und den gewässerbegleitenden Auen in den beiden Beckenlandschaften von Freilassing und Tittmoning. Grundlegende Voraussetzungen der Planung waren der Erhalt des Hochwasserschutzes für Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie eine dynamische Sohlstabilität der Salzach. Von den weiteren wasserwirtschaftlichen Entwicklungszielen, die in der Planung schwerpunktmäßig beachtet wurden, ist das Ziel eines gesicherten Entwicklungs- und nachhaltigen Bewirtschaftungskonzepts besonders hervorzuheben.

Darüber hinaus orientierte sich die Planung stark am ökologischen Leitbild, den ökologischen Leitzielen und den ökologischen Leitvorstellungen sowie an naturschutzfachlichen Planungsvorgaben. Für die wasserbaulichen Planungen von besonderer Bedeutung war die Priorität der Dynamisierung und des Prozessschutzes vor einem Schutz des bestehenden Zustandes oder der Neuanlage systemfremder Lebensräume. Dieses Ziel des Naturschutzes deckt sich mit dem wasserwirtschaftlichen Planungsziel, "dynamische Sohlstabilität" sowie dem Planungsgrundsatz Selbstentwicklungsprozessen gegenüber maschineller Maßnahmenumsetzung den Vorzug zu geben.

Das Institut wirkte an der gesamten Planung maßgeblich mit. Die Schwerpunkte unserer Arbeit lagen in den Bereichen:

  • nachhaltige Stabilisierung der Flusssohle
  • kontrollierte dynamische Gewässerentwicklung
  • an den Fluss angepasste Umsetzung von Maßnahmen
  • Risikominimierung
  • Kostenminimierung durch Nutzung von Selbstentwicklungsprozessen.

Da es sich um eine Rahmenuntersuchung handelte, blieb die Planung auf genereller Ebene. Die Entwicklung eines ausführungsreifen Projekts sowie die erforderlichen rechtlichen Verfahren sind Aufgaben für die weiteren Planungsschritte.

Als Endergebnis der Rahmenuntersuchungen stehen drei Lösungsmöglichkeiten zur Auswahl: Es handelt sich dabei um unterschiedliche Kombinationen der Grundbausteine Verbreiterung des Gewässers (Aufweitung) und Sohlhebung mit Rampen.

Bei der Umsetzung aller vorgeschlagenen Lösungsmöglichkeiten ist ein an die gewässermorphologische Entwicklung angepasster Zeitraum von mehreren Jahrzehnten zu berücksichtigen. In derart langen Zeiträumen können sich Randbedingungen im Planungsgebiet verändern (zum Beispiel der Geschiebeeintrag).

 


                                        Auswirkungen eines Sohldurchschlags: abgetragene Flusssohle


Auswirkungen eines Sohldurchschlags: Einsenkung eines Brückenpfeilers


                                                                     Kiessohle mit feinkörnigem Untergrund

Veröffentlicht am 31.12.2006, IWB - Institut für Wasserbau und hydrometrische Prüfung