Plus 2°C – Was passiert in den heimischen Seen?

Die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Wärmehaushalt und die Durchmischungsverhältnisse von Seen sind allgemein anerkannt. Frühere Erwärmung im Frühling, höhere Wassertemperaturen im Sommer und spätere Abkühlung im Herbst führen zu einer längeren Phase der stabilen Sommerschichtung, einer geringeren Bildung von Eisdecken und einer reduzierten Durchmischung.

Seit Anfang der 1970er Jahre untersucht das BAW - Institut für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft regelmäßig die Wasserqualität von unterschiedlichen österreichischen Seen und hat in einer Studie von ausgewählten Seen festgestellt, dass die durchschnittliche Oberflächentemperatur (Jahresmittel) in den letzten 4 Jahrzehnten um etwa 2°C angestiegen ist und sich die Sommerschichtung signifikant verlängert hat.

Sauerstoffmangel im Tiefenwasser nimmt zu

Von 1975 bis 2015 nahm die Dauer der Schichtung in den heimischen Seen um mehrere Wochen zu. Diese verlängerte Schichtungsdauer resultierte folglich in einer Ausdehnung der Sauerstoffzehrung im Tiefenwasser. In den letzten 15 Jahren verschlechterte sich die Sauerstoffsituation im Tiefenwasser maßgeblich. Seit den späten 1990er Jahren sind aufgrund der Klimaerwärmung wieder vermehrt Anzeichen für eine Verschlechterung der Nährstoffsituation (Phosphor- und Ammoniumgehalt) feststellbar. Diese chemisch-physikalischen Veränderungen wirken sich auf die Lebensgemeinschaften im See aus. Vor allem in Seen mittlerer Tiefe (30-40m) sind die Folgen hinsichtlich reduziertem Fischlebensraum gravierend.

Fischarten geraten unter Druck

Speziell betroffen sind forellenverwandte Fische (Beispiel Renke), für die das Oberflächenwasser zu warm wird, das Tiefenwasser zu wenig Sauerstoff aufweist und somit der Lebensraum für einige Wochen bedrohlich eingeschränkt wird. In den großen tiefen Seen werden diese Auswirkungen vorerst weniger dramatisch sein, aber auch hier wird es womöglich durch Einschränkungen des Fischlebensraumes in der Tiefe zu verstärkten Konkurrenzsituationen kommen (Beispiel: Seesaibling und Renke).

Wärmeliebende Arten profitieren

Während kälteliebende Fischarten zunehmend unter Druck geraten, profitieren wirtschaftlich weniger bedeutende Arten von den Veränderungen – vor allem wärmeliebende Fische wie Karpfen- und Barschverwandte sowie Hecht und Wels. Alles in allem muss damit gerechnet werden, dass ähnlich wie an Land auch unter Wasser mit zunehmender Erwärmung immer größere Veränderungen eintreten werden.

Information und Austausch in Seeham

Um die Bevölkerung über diese Entwicklungen zu informieren und den Austausch zu fördern, fand in Seeham ein Vortrag zum Thema „Seen im Wandel“ statt. Die Veranstaltung wurde vom SIR (Programm KlimaWandelAnpassung Salzburg) in Kooperation mit dem Regionalverband Salzburger Seenland organisiert und widmete sich den Auswirkungen des Klimawandels auf die Seenlandschaft.

Nur wenn es der Menschheit gelingt, die Erwärmung und den Treibhauseffekt einzugrenzen, werden auch unsere Seen im gewohnten Erscheinungsbild und mit den bekannten Artengemeinschaften erhalten bleiben.

Veröffentlicht am 08.06.2026

Kontakt

Mag. Dr. Martin Luger Leiter der Abteilung Seenkunde
Scharfling 18
5310 Mondsee
Österreich